Was kostet studieren?

Was kostet studieren

Wie soll ich das bloß bezahlen? Möglichkeiten der Studienfinanzierung

Obwohl Studierende in Deutschland seit 2014 in allen Bundesländern an staatlichen Hochschulen keine Studiengebühren mehr zahlen müssen, sollten sie sich trotzdem Gedanken über mögliche Studienfinanzierung machen.

Denn neben Semestergebühren fallen häufig noch andere Kosten an, wie die monatliche Miete, Lebenshaltungskosten und natürlich die Fahrtkosten für Heimatbesuche.

Somit stellt sich nach der erfolgreichen Auswahl des Studienortes und -faches auch die Frage nach den geeigneten Möglichkeiten der Finanzierung, die häufig zahlreicher sind, als zunächst erwartet.

 

Die Hälfte gibt’s geschenkt

BAföG ist mit Sicherheit die bekannteste Methode zur Studienfinanzierung. Es handelt sich hierbei um die Förderung von Studenten durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz. Im Grunde ist es nichts anderes, als die finanzielle Unterstützung jener, deren Eltern laut Staat nicht genug verdienen, um ihren Kindern ein Studium zu finanzieren. BAföG dient also der Sicherung der Chancengleichheit unter Studenten, denn laut der Sozialerhebung aus dem Jahr 2013 studieren von 100 Akademiker-Kindern 77, von 100 nicht-Akademiker-Kindern sind es gerade einmal 23.
Wie bekomme ich BAföG?

An den meisten Universitäten und Hochschulen in Deutschland ist das Studentenwerk die erste Anlaufstelle, wenn es um Geld vom Staat geht. Hier bekommst du Unterstützung bei der Beschaffung der Unterlagen (eine beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses, eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung, einen Krankenversicherungs­nachweis und eine Kopie der Einkommenssteuerbescheide der Eltern) und beim Ausfüllen und Abschicken der Anträge.

Und das Beste am BAföG ist natürlich, dass du nach dem Bachelor oder Master lediglich die Hälfte zurückzahlen musst. Dabei werden es Langzeitstudenten hier zukünfig schwer haben, denn nach der Einführung des Bachelor-Systems gibt es BaföG nur noch innerhalb der Regelstudienzeit. Außerdem ist der monatliche Betrag vor allem abhängig vom Verdienst der Eltern, sodass Studenten, die sich ihr Studium selbst finanzieren wollen, kaum die Chance hierzu bekommen.

 

Ich bekomme kein BAföG, möchte aber trotzdem unabhängig von meinen Eltern leben können, was kann ich tun?

Wer auf Grund es Verdienstes seiner Eltern seine Kosten nicht durch BAföG decken kann, muss sich eine andere Weise der Studienfinanzierung suchen. Viele Studenten jobben neben ihrem Studium auf 450 Euro Basis. Diese Möglichkeit, Geld und zusätzlich Praxiserfahrung zu sammeln, wenn man den Job auf seine Studienwahl abstimmt, stellt aber auch eine höhere Belastung dar und lässt häufig wenig Zeit, um sich auf sein Studium zu konzentrieren. Außerdem reichen auch diese 450 Euro oft nicht, um die monatlichen Kosten zu decken.

Hier eine Beispielrechnung:

Im Durchschnitt benötigt ein Student im Monat etwa 795 Euro, diese setzen sich zusammen aus:

  • Miete: je nach Studienort etwa 500 Euro inklusive Strom und Gas
  • Semesterbeitrag (im Monat): etwa 60 Euro inklusive Semesterticket (es sei denn man ist Langzeitstudent oder befindet sich im Zweitstudium dann könnte der Beitrag höher ausfallen)
  • Lebenshaltungskosten: etwa 235 Euro inklusive Kosten für Kleidung und Freizeitbeschäftigungen
  • Die Ausgaben für Krankenversicherung etc. werden häufig noch durch die Eltern getragen, auf Grund von Familienversicherungen.
  • Es fehlen also noch knapp 350 Euro. Doch woher bekomme ich diese?

 

Stipendium – Die Belohnung für herausragende Leistungen?

Dass nur Hochbegabte und Kinder von Eltern mit Migrationshintergrund Stipendien bekommen, hat sich als als Irrglaube eingebürgert.

„Ein Stipendium – das bekomme ich sowieso nicht“, das ist der Satz, den man aus vielen Studentenmündern hört. Dabei gibt es für fast jeden ein geeignetes Stipendiat. Ob nun direkte Studienfinanzierung durch kleine Finanzspritzen vom Staat, wie zum Beispiel beim Niedersachsen-Stipendium (das es auch in anderen Bundesländern gibt) oder komplette Finanzierung eventueller Auslandsaufenthalte durch Unternehmen.

Die Zeiten, in denen Stipendiate nur an Überflieger vergeben wurden, sind vorbei. Oftmals reicht ein kleines, kreatives Motivationsschreiben, um in die engere Auswahl genommen zu werden. Als Beispiel sei hier das „Gute-Laune-Stipendium“ genannt, das Studenten mit besonders viel Lebensfreude ein Auslandssemester finanziert.

Gleichzeitig kann es schon allein reichen, einer bestimmten sozialen Gruppe anzugehören. So hat man als Studentin mit Kind, als Student im Zweitstudium oder als eines der 23 von 100 nicht-Akademiker-Kindern aus der oben genannten Sozialerhebung gute Chancen ein Stipendium zu bekommen. Diese Stipendien können von einmaliger Unterstützung bis zu monatlicher Deckung der Lebenshaltungskosten reichen und sowohl in Bachelor- als auch in Masterstudiengängen beantragt werden.

Warum also nicht einfach mal bewerben. Schließlich heißt es doch „probieren geht über studieren“.

 

Kein BAföG, kein Job, kein Stipendium, und jetzt?

Die meisten Studenten wollen sich während des Studiums nicht verschulden, dennoch bleibt einigen nichts anderes übrig, als entweder auf Erspartes zurückzugreifen oder einen Studienkredit aufzunehmen. Dies ist, ähnlich wie BAföG, ein monatlich ausgezahlter Unterhalt, mit dem Unterschied, dass der Kredit komplett und inklusive Zinsen an die Bank zurückbezahlt werden muss.

Die Auswahl eines geeigneten Kredites kostet viel Zeit, die man sich auch nehmen sollte, denn oft locken potentielle Kreditinstitute mit attraktiven Angeboten, die im Endeffekt, wie so vieles, das zunächst gut klingt, einen großen Haken haben. So sollte darauf geachtet werden, dass die Bank dem Studenten eine Pause zwischen der letzten Auszahlung und der ersten Rückzahlung gewährt.

Wenn dies nicht der Fall ist, könntest du Gefahr laufen, zusätzlich Überziehungskosten zahlen zu müssen, wenn du den ersten Zahlungtermin nicht einhalten kannst. Außerdem lässt ein Studienkredit keine Zeit zwischen dem letzten Semester und dem Einstieg ins Berufsleben für beispielsweise einen Auslandsaufenthalt oder ähnliches.

Bevor du also einen Studienkredit aufnimmst, solltest du dich erst einmal bei deinem zuständigen Studentenwerk über alternative Wege der Studienfinanzierung informieren. Die meisten Hochschulen bieten zudem eine kostenlose Beratung zu jenem Thema an.

Du siehst, es ist nicht schwierig, Semesterbeiträge, Miete und Lebensunterhalt aus eigener Tasche zu finanzieren und unabhängig von den eigenen Eltern zu leben. Es gibt für jeden eine geeignete Möglichkeit sein Studium zu finanzieren, auch wenn es nicht immer der einfachste Weg ist. Deswegen hier noch ein kleiner Tipp: Nimm die Hilfe an, die dir Hochschule und Studentenwerk bieten. Meist ist nur ein kleiner Antrag zu stellen oder eine Bewebung zu schreiben, um mehr Geld im Monat zur Verfügung zu haben.

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